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Reflexionsportfolio, HS 2009-2010

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Reflexionsportfolio, HS 2009-2010

Der Beruf und meine Motivation, meine Lehrerfahrungen, personale und soziale Kompetenzen

3.12.2009 - Standesregel 9 Respektieren der Menschenwürde

Letzten Dienstag haben wir im BSK- Modul die zehn Standesregeln bearbeitet. Ich habe die Regeln durchgelesen und merkte, dass ich viele Regeln bereits unbewusst eingehalten hatte. Eine Regel hat mich besonders zum Nachdenken gebracht, und zwar die Standesregel 9, bei der es um das Respektieren der Menschenwürde geht. Die Lehrperson ist dazu aufgefordert, bei ihren beruflichen Handlungen die Menschenwürde zu wahren und darauf zu achten, dass alle Menschen mit gleicher Sorgfalt behandelt werden und niemand diskriminiert wird.

Im ersten Moment fand ich es etwas erschreckend, dass man zu so einem Thema eine Regel aufstellen muss. Eigentlich müsste das doch selbstverständlich sein. Als ich mich intensiver mit dieser Regel auseinandergesetzt hatte, fing ich an zu hinterfragen, ab wann die Würde eines Menschen verletzt, oder ein Mensch diskriminiert wird. Ist es schon diskriminierend, wenn ich einem muslimischen Mädchen nicht erlaube, ihr Kopftuch im Schulzimmer zu tragen, oder wenn ein gehbehinderter Junge am Sportunterricht nur partiell teilnehmen kann? Ich merkte also, dass dieses Thema doch schwieriger ist, als ich zu Beginn angenommen hatte, da die Unterscheidung, wann etwas diskriminierend ist und wann nicht zu ungenau ist.

Dazu hat es im Text zur Standesregel 9 auch einen Absatz. Es steht, dass Beteiligte (z.B. Eltern) das Handeln der LehrerIn vielleicht als diskriminierned ansehen können, was vielleicht bei dem Beispiel mit dem Kopftuch in der Schule der Fall sein könnte. Entscheidend ist dann, ob ein Vorsatz oder zumindest Fahrlässigkeit gegeben war und ob die Lehrperson so sorgfältig gehandelt hat, wie es von ihr erwartet wird.

Ich denke, dass so schwierige Konflikte zwischen Eltern und Lehrpersonen enstehen können und hoffe, in solchen Situationen eine gute Lösung zu finden.

Hier finden sich alle 10 Standesregeln (S.33-41). Ausserdem finde ich den Link interessant, da es den Zweck der Standesregeln (S. 25 f.) erläutert.

26.11.2009 - Logischer Irrtum

In unserer Praktikumsklasse hat es einen Jungen, der mir sehr sympathisch ist. Er lacht viel und bringt auch andere oft zum Lachen. Wahrscheinlich auch ein Grund dafür, dass er bei seinen Mitschülern und Mitschülerinnen sehr beliebt ist. Trotzdem weiss er, wann er ruhig sein muss, und kennt auch sonst die Regeln. Er traut sich sehr viel zu und ich würde sagen, er hat ein gutes Selbstbewusstsein. Seine schulischen Leistungen sind auch gut. Ausserdem habe ich bei ihm manchmal das Gefühl, dass er einiges älter ist, als die anderen Kinder in der Klasse. Ausserdem hat er eine gute Sozialkompetenz, also er hilft zum Beispiel oft anderen Kindern. 

An unserem 4. Praktikumstag zeigte dieser Junge aber ein für ihn sehr merkwürdiges Verhalten. Die Klasse war gerade im Sportunterricht und unsere Praktikumslehrperson pfiff das laufende Spiel ab und nannte die Sieger. Dann sah ich, wie der Junge auf die Praktikumslehrperson zugerannt kam. Er hat geweint, geschrien und um sich geschlagen. Dann sprang er die Praktikumslehrperson an und biss ihm in die Kleidung. Ich war total geschockt, was ich wahrscheinlich bei jedem Kind gewesen wäre, doch ich habe dieses Verhalten bei ihm am wenigsten erwartet. Ich kannte diese Seite des Kindes überhaupt nicht. Zusätzlich hat mich auch die Reaktion der Praktikumslehrperson verwundert, da diese sehr gelassen reagierte und nicht wirklich auf den Vorfall einging.

Diese Situation hat mich dann noch lange beschäftigt und jetzt habe ich gerade den Text zu der Theorie "Logischer Irrtum" gelesen und da ist mir dieser Moment wieder in den Sinn gekommen. Beim logischen Irrtum geht es darum, dass man die Tendenz hat, Merkmale, welche scheinbar logisch zusammenhängen, ähnlich zu beurteilen. Genau das ist bei mir in dieser Situation eingetreten. Für mich war es logisch, dass dieser Junge brav und anständig ist und kein solches Verhalten zeigen würde. Wenn ich ab und zu agressives Verhalten bei dem Jungen beobachtet hätte, dann hätte mich diese Situation sicher weniger aus der Bahn geworfen.

Der Junge kann nicht verlieren und weiss nicht, wie er mit seiner Wut umgehen soll. Da er aber sonst ein positives Verhalten an den Tag legt, hätte ich ihm auch die Meisterung dieser Situation zugetraut.

Ich möchte in Zukunft versuchen, nicht mehr voreilige Schlüsse zu ziehen und gegenüber einem Kind für alle Verhaltensnormen offen zu sein.

Hier habe ich einen interessanten Link zu diesem Thema gefunden, der unter anderem den logischen Effekt auf eine andere Art mit einem zusätzlichen Beispiel erläutert.

19.11.2009 - Enthemmender Effekt

In einem früheren Praktikum haben meine Tandempartnerin und ich mit den Kindern zusammen einen Hut geschmückt. Da wir an diesem Tag nicht genügend Zeit hatten, das Endprodukt den Kindern zu zeigen, verschoben wir es auf den nächsten Mittwoch (18.11.).

Ich stand an der Wandtafel vorne, zeigte den Kindern den Hut und fragte, was die Kinder am, oder auf dem Hut, sehen können. Um zu anworten, sollten sie ihre Hand aufhalten. Als ich die Frage gestellt hatte, schossen praktisch alle Hände in die Höhe. Ich freute mich und dachte: "Aha, sie haben also verstanden wie die Regel lautet." Ich rief den Namen eines Mädchens auf und sie antwortete: "Es hät e Ross druf.", dann rief ich einen Jungen auf und er antwortete: "Es hät au e Zeichnig druf.". Als Nächstes rief ich nochmals einen anderen Jungen auf. Als er seinen Namen hörte, stürmte er nach vorne, um mir den Gegenstand zu zeigen, den er nennen wollte. Er zeigte auf eine angemalte Holzfigur mit einem Stäbchen und Glitzerfäden. Ich dachte, dass es für ihn zu schwierig war, diesen Gegenstand zu benennen und sagte daher nichts dazu, dass er seinen Platz verlassen hatte. Danach rief ich ein weiteres Kind auf. Das Kind kam dann auch zu mir nach vorne und mit ihm, kamen nochmals zwei andere Kinder und zeigten auf den Hut und erzählten alle auf einmal, was sie sahen. Es wurde sehr unruhig und ich fühlte mich unsicher. Ich schickte die Kinder wieder an ihren Platz, ohne auf ihre Antworten einzugehen.

Dann kam mir ein Teil der Theorie, die wir letzte Woche im Modul "Lernen Beobachten" durchgenommen haben, in den Sinn. In diesem Abschnitt ging es um den enthemmenden Effekt. Ein enthemmender Effekt liegt vor, wenn jemand seine Zurückhaltung aufgibt, nachdem er ein Modell beobachtet hat, das eben dieses Verhalten ohne sichtbare aversive Konsequenzen vorgeführt hat.

Ich habe gemerkt, dass in diesem Moment genau das eingetreten ist. Ich habe das Verhalten von dem Jungen, der zuerst nach vorne kam nicht als falsch bewertet, und daher denke ich, haben die anderen Kinder genau diesen enthemmenden Effekt erlebt. Sie haben gesehen, dass ein Mitschüler nach vorne gekommen ist und sagen durfte, was er wollte und es für ihn keine Konsequenzen gab. Dann haben sie obwohl sie vielleicht noch wussten, dass sie am Platz warten und aufstrecken sollten sich nach vorne getraut.

Ich merkte dann, was ich falsch gemacht hatte und war unzufrieden mit mir. Mir wird jetzt klar, dass dieser enthemmende Effekt auch mit der Konsequenz, die die Lehrperson an den Tag legt, zusammenhängt. Wenn ich nämlich dem ersten Jungen konsequent gesagt hätte, dass sein Verhalten nicht richtig ist, dann wäre dieser enthemmende Effekt wahrscheinlich nicht aufgetreten. Ich möchte darum versuchen, in ähnlichen Situation, konsequenter zu sein, sodass dieser enthemmende Effekt nicht mehr eintrifft.

Eine Erklärung in anderen Worten und ein interessantes Beispiel zum enthemmenden Effekt finden sie hier auf der letzten Seite des Dokuments.

12.11.09 - Teamrollen

In der BSK - Blockwoche haben wir einen Test gemacht, der unsere persönliche Rolle in einer Gruppe auswerten sollte. Wir mussten zu verschiedenen Aussagen, wie man sich in Gruppen verhalten kann, Punkte setzen, was für uns zutrifft und was nicht. Dabei musste man sich an eine Gruppensituation erinnern. Ich fand die Aufgabe ziemlich schwierig, da ich zuerst einmal überlegen musste, was ich für eine Gruppensituation für das Beantworten der Fragen in Erinnerung rufen soll.

Ich überlegte mir während des Tests, wie ich mich in Gruppen verhalte und merkte, dass ich mich noch nie wirklich damit auseinandergesetzt habe. Ich fand es schwierig meine Antwort so zu wählen, dass sie auch wirklich meiner Person entspricht. Es war manchmal schwer zu entscheiden, welche Aufgabe wirklich auf einem zutrifft und wie fest man es gewichten möchte.

Als ich anschliessend, den Test auswertete, war ich überrascht. Meine Vermutungen und das Resultat stimmten vor allem bei zwei Typen nicht überein. Ich habe viele Punkte bei der Rolle der Treiberin gemacht, die die Teammitglieder beauftragt und kontrolliert. Ihre Aufmerksamkeit gilt dabei dem Setzen von Zielen und dem Festlegen von Prioritäten. Ich habe aber nicht das Gefühl, dass ich diese Aufgabe in einer Gruppe normalerweise übernehme und habe mir da nur wenige Punkte gegeben. Bei der Rolle der Anreissein, ergab die Auswertung des Tests null Punkte. Ich würde aber behaupten, dass ich jemand bin, der viele Ideen in die Gruppe einbringt, neue Ideen fördert und Wege findet auftretende Probleme zu vermeiden oder zu lösen. In der angehängten Datei habe ich dargestellt, wie die Punkte auf die Teamrollen verstreut sind. Zuerst habe ich ein Diagramm erstellt, welches meine Selbsteinschätzung darstellt und dann ein Diagramm, welches die Auswertung des Test wiedergibt.

Als ich mich dann später in einer Teamarbeit selbst beobachtete, merkte ich, dass ich mich je nach Gruppenzusammenstellung unterschiedlich verhalte, also verschiedene Rollen einnehme. Ausserdem habe ich festgestellt, dass es die unterschiedlichen Rollen in einer Gruppe braucht, damit die Gruppe funktioniert und das es nützlich ist, wenn man verschiedene Rollen einnehmen kann um sich in verschiedenen Gruppen zu intergrieren.

Ein interessanter Artikel dazu findet sich unter folgendem Link: Teamrollen

4.11.2009 - Reflexion einer Praxiseinheit anhand der Situationstypen "Beziehung" und Sympathie"

Im letzten Praktikum gaben meine Tandempartnerin und ich den Kindern den Auftrag, ihre Hutzeichnungen weiter zu gestalten. Zusätzlich haben wir uns überlegt, dass die Kinder, die schneller mit der Zeichnung fertig sind als andere, an ihren individuellen Aufträgen von der Praktikumslehrperson arbeiten können. Unsere Praktikumslehrperson bat uns aber, nur den Zeichnungsauftrag durchzuführen. Ich dachte, dass 45min sehr lang ist, um eine Zeichnung zu machen, und das einige Kinder nach fünf Minuten bestimmt schon fertig sein werden. Ich fühlte mich unsicher, ob ich dann eine Lösung finden werde, die Kinder dazu zu motivieren weiter zu zeichnen.

Wie ich befürchtet hatte, waren einige Kinder sehr schnell mit ihrer Zeichnung zufrieden. Ich ging von Kind zu Kind und versuchte es zu motivieren, noch weiter an seiner Zeichnung zu feilen, oder auf der Rückseite des Blattes einen neuen Hut zu zeichnen. Das gelang mir auch sehr gut und ich fühlte mich sicher, so dass ich einigen Kindern sogar etwas an der Wandtafel vorzeichnete, obwohl ich mich beim Zeichnen unsicher fühle. Auch Gabriele war schon nach sehr kurzer Zeit fertig mit seiner Zeichnung und ich versuchte auch bei ihm eine Möglichkeit ihn zum Zeichnen zu motivieren, aber bei ihm war das nicht so leicht, wie bei anderen Kindern und ich wurde verunsichert. Ich bemühte mich sehr, doch das Kind zog sich immer mehr zurück, antwortete nicht mehr auf meine Fragen und fing auch nur ganz widerwillig und für eine kurze Dauer wieder zu zeichnen an. Jedesmal, wenn ich wieder zu ihm hinging, war er nicht am zeichnen und ich versuchte erneut etwas zu finden, was ihn umstimmen könnte. Währenddem wurde ich immer unsicherer und ich wusste nicht, was ich noch machen könnte. Ich hätte ihm gerne eine andere Arbeit gegeben, aber das war nicht möglich, da die Praktikumslehrperson wollte, das wir die Kinder an der Zeichnung arbeiten liessen. Ich wusst also, dass ich keine Ausweichmöglichkeit hatte und das machte die Situation für mich noch schwieriger. Zum Schluss hat Gabriele dann doch noch eine Sonne und zwei Hunde gezeichnet, was mich wieder etwas zufriedener stimmte.

Im anschliessenden Gespräch mit Frau Zehnder, die uns an diesem Mittwoch besucht hatte, machte sie mich darauf aufmerksam, dass ich zwei Situationstypen (Sympathie und Beziehung) angewendet habe. Ich habe mir dann die Theorie der Situationstypen Beziehung und Sympathie zu Hause nochmals angeschaut und mit der Situation an diesem Morgen verglichen. Daraus sind die beiden Tabellen in der angehängten Datei entstanden. Ich habe mich gefreut, dass ich die Theorie unbewusst, aber meiner Meinung nach gut umgesetzt hatte.

Später erfuhr ich von der Kindergärtnerin von Gabriele, dass er im ersten Jahr im Kindergarten, kein Wort gesprochen hatte und auch im zweiten praktisch nie etwas sagte. Das hat mich nochmals etwas beruhigt und ich war weniger besorgt, dass ich etwas falsch gemacht hatte.

Eine schöne Darstellung, die die zusätzlichen Aspekte der Situationstypen Beziehung und Sympathie darstellt, finden sie unter folgendem Link: https://portfolio.switch.ch/view/artefact.php?artefact=120016&view=8512

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