Didaktischer Kommentar

Damit Robotik im Unterricht gelingen kann, fokussieren wir uns auf die Frage, was guter Unterricht alles beinhaltet. Viele Didaktiker haben versucht, guten Unterricht zu beschreiben. Hilbert Meyer tat dies in seinem Buch „Was ist guter Unterricht?“ und nennt darin zehn Gü̈tekriterien von gutem Unterricht. Diese Kriterien werden hier abgehandelt und sollen helfen zu erörtern, wie die Umsetzung der Robotik gelingen kann.

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(Didaktisches Sechseck nach H. Meyer; http://www.fachdidaktik-einecke.de/1_Unterrichtsplanung/h_meyer_guter_unterricht.htm; ; 12. 11, 2015)

Für einen gelingenden Lernprozess sind alle zehn Merkmale relevant. Wenn ein Merkmal nur sehr niedrig ausgeprägt ist, stört es den Lernprozess. Jedoch können gute Lehrpersonen Defizite in einem Merkmalsbereich durch Stärken in einem anderen Bereich kompensieren (Meyer 2010:129f.).

Die Merkmale werden untenstehend in Bezug auf die Schulklasse in Aarberg beschrieben.

Klare Strukturierung des Unterrichts

Da das Thema für die meisten SuS neu ist, ist eine klare Strukturierung der Inhalte wichtig.Der rote Faden sollte ersichtlich sein. Als Start ist die gelungene Einführung in die Grundlagen der Robotik und des Programmierens relevant (vgl. Einführung). Vom angeleiteten Üben (Zusammenbauen Octopus) über das selbstgesteuerte Lernen (Aufgaben mit dem EV3) und der Vertiefung der Thematik, bis hin zu einer eigenen freien Projektgestaltung verläuft der Unterricht sehr frei, aber klar strukturiert. Diese Projekttage haben jeweils im Plenum mit dem Festhalten von Tageszielen begonnen, welche sich die Gruppen jeweils selbst gesetzt haben, und geendet mit dem Präsentieren des Erreichten und dem Festlegen weiterer geplanter Schritte. Die einzigen zwei Unterbrechungen waren die Ausflüge in die Badi, welche willkommene Abwechslungen an diesen warmen Tagen waren.

Hoher Anteil echter Lernzeit

Gerade bei diesem Thema ist die echte Lernzeit sehr hoch. Dafür ist eine gute Planung des Projektes sowie das Bereitstellen aller notwendigen Materialien (vgl. Blog "Welche Materialien benötige ich?") notwendig. Nach den ersten Einführungslektionen haben die SuS genügend Vorwissen, um ein eigenes Projekt zu planen, durchzuführen und zu programmieren sowie das Produkt zu verfeinern / auszubauen und zu präsentieren. Für diesen Bereich sind im Projekt zwei Tage eingesetzt worden, doch lässt sich dies beliebig erweitern. Dank der in Punkt eins beschriebenen Struktur war der Tagesablauf jeweils gut rhythmisiert.

Lernförderliches Klima

Gerade weil die SuS einen hohen Anteil an selbstgesteuertem Lernen und Projektarbeit haben, somit also ihrem Wissen und Können entsprechend ein eigenes Projekt durchführen können, herrschte jeweils ein sehr gutes Arbeitsklima. Die Türen waren auch für andere interessierte SuS, Lehrpersonen und die Schulleitung geöffnet. Auch wurde, wenn nötig, Unterstützung durch die Coaches (vgl. Blog "Schülerinnen und Schüler als Coaches") oder die anwesenden Studierenden geleistet. Das positive Gefühl blieb auch während der restlichen Schultage bestehen und alle freuten sich auf die kommenden Projekttage. An diesen wurde dann auch gerne freiwillig nach der Schule weitergearbeitet, Pausen und Mittagszeit wurden als hinderliche und unnötige Arbeitsunterbrechungen angesehen.

Inhaltliche Klarheit

Viel Zeit wurde auf die gute Einführung in die Thematik Robotik und Programmieren verwendet. Mit diesem Fundament waren die SuS genügend vorbereitet, um das eigene Projekt in Angriff zu nehmen. Da das Projekt von ihnen selbst gestaltet wurde, konnten sie die Zusammenhänge gut verstehen und sich die Kompetenzen erarbeiten. Als einzige verbindliche Ergebnissicherung diente die Präsentation des (funktionierenden) Roboters und des geschriebenen Programmes. Eine Bewertung in Form einer Note gab es nicht.

Sinnstiftendes Kommunizieren

Die SuS hatten verschiedene Ansprechpersonen sowie Kommunikationskanäle zur Verfügung. Der direkte Austausch erfolgte mit den Peers, der Lehrpersonen (es waren jeweils 2 - 3 anwesend) oder den Studierenden der PHBern. Als weiterer Kommunikationskanal war das Info- und Fragebrett im Klassenzimmer vorgesehen. Der Austausch LP - SuS neben dem Projekt wurde auf Educanet2 organisiert. Als Präsentationsplattform der Projekte für die Bevölkerung diente die Homepage der Prim Aarberg. Weitere Infos dazu im Blog "Wie begleite ich das Projekt?".

Methodenvielfalt

Vom angeleiteten Üben zum selbstgewählten Projektziel, von Klassengesprächen, Gruppenaufträgen zu Teamarbeiten sind der Methodenvielfalt keine Grenzen gesetzt. Es wird den SuS sogar explizit freigelassen, wo sie in welcher Form (frei oder von der Lehrperson / Studentin angeleitet) arbeiten wollen und wie sie das Produkt vorstellen wollen.

Individuelles Fördern

Dank genügend hohem Anteil echter Lernzeit sowie mehreren Personen, welche Hilfe leisten konnten, war die individuelle Förderung zwar eine Herausforderung, doch gut möglich und umsetzbar. Wichtig ist, dass alle Teams gleichermassen berücksichtigt werden und nicht eines zu wenig Unterstützung erhält. Das Fördern ging bei diesem Projekt so weit, dass die einzelnen Gruppen wählen konnten, in welchen anderen Fächern (BG, technischem oder textilem Gestalten) sie für das Robotik-Projekt zusätzlich etwas herstellen wollten (integrierte, fächerübergreifende Medienbildung).

Ziel des gesamten Robotik-Projekts ist neben der Präsentation der konkreten Ergebnisse vor den Peers und anderen Schul- / Kindergartenklassen vor allem der eigene conseptual growth. In einem abschliessenden Elternabend werden Arbeiten der SuS präsentiert, um auch die Eltern über die erfolgreiche Durchführung des Projektes zu informieren.

Intelligentes Üben

Methodisch konnten die SuS selbst wählen, wie sie sich in die Thematik vertiefen wollten. Sie wurden von den LP unterstützt und es standen Anleitungen zur Verfügung. Von den SuS wurde oft gewünscht, noch mehr mit den Robotern zu arbeiten. Dies wäre und ist teilweise auch in der Freizeit, neben der Schule, möglich gewesen. Da der geregelte Schulalltag aber wieder aufgenommen werden musste sowie die Infrastruktur und das Material anschliessend anderweitig verwendet wurde, liessen wir es bei diesen geplanten Projekttagen. Schön wäre es, zu einem späteren Zeitpunkt die Thematik wieder aufzugreifen. Der LP21 gibt im Kanton Bern (Stand Januar 2016) neben der 5. / 6. Klasse auch dem 3. Zyklus in der 7. und 9. Klasse dafür jeweils eine Lektion Medien und Informatik, weiter wäre ein Wahlmodul oder ein AdS (Angebot der Schule) eine Option.

Transparente Leistungserwartungen

Die eigene Motivation aller SuS war bei diesem Projekt gross genug, so dass keine Minimalanforderungen gestellt werden mussten. Eine Bewertung in Form einer Note wäre meines Erachtens sicherlich falsch und kontraproduktiv, da die Vergleiche mit den Peers eine freie Projektgestaltung und -entfaltung behindert hätten. Ich erlebte die SuS als sehr selbstständig und motiviert. Inhaltlich werden die Projekte aber sehr wohl "bewertet", und zwar beim Präsentieren des Erreichten am Schluss des Projektes. Dies kann vor den Peers, anderen Klassen oder den Eltern in Form eines Elternabends stattfinden. Und wie die Resonanz aller Beteiligten zeigte, wurden die Leistungen mehr als erfüllt (vgl. die Ansicht "Präsentation").

Vorbereitete Umgebung

Diesem Kriterium wird meines Erachtens meistens zu wenig Aufmerksamkeit gewidmet, wie auch immer wieder Austauschprojekte mit Studenten und Schulklassen aufzeigen (vgl. die Ansicht "Klassenbesuche"). Fort- / Weiterbildung sowie das Bereitstellen aller Hard- und Software benötigt viel Zeit und muss genügend im Voraus geplant werden. Mit den Ideen und Hinweisen dieser Sammlung hoffe ich, dass einige (Vor-)Arbeit abgenommen werden kann.

Bei der Durchführung hatten wir zwei Klassenzimmer sowie die Gänge des Schulhauses zur Verfügung. Dank des schönen Wetters arbeiteten einige Teams auch ausserhalb des Schulhauses, sofern es das Programmieren zuliess. Alle Teams arbeiteten mit einem eigenen Robotik-Set an einem eigenen Computer. Weitere Infos dazu im Blog "Welches Material benötige ich", "Wie muss ich mich vorbereiten und was muss ich können, um Robotik zu unterrichten?" und "Wie begleite ich das Projekt?".